Andrew Moore
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Der Dirt Meridian von oben

Wir haben den international anerkannten Kunstfotografen Andrew Moore getroffen, um mit ihm über sein aktuelles Projekt, Dirt Meridian, zu sprechen. In den letzten 8 Jahren hat Andrew die Gegend der Northern Great Plains immer wieder bereist, um das Land und die Menschen zu dokumentieren. Seine Arbeiten wurden bereits in der New York Times abgebildet und sind in der Yancey Gallery in Manhattan ausgestellt worden.

Andrew hat einen großen Teil der Serie mit einem Phase One Kamerasystem geschossen, das an einem Flugzeug angebracht gewesen ist. Wir nutzten die tolle Gelegenheit, Andrew nach seinem Projekt zu fragen und mehr über die Details der Umsetzung zu erfahren.

Könnten Sie uns ein wenig über sich selbst und über die Idee, die hinter diesem Projekt steckt, erzählen?

Ich bin seit mehr als 35 Jahren Großformatfotograf und habe bis zum Jahre 2013 ausschließlich mit Film fotografiert, bis ich angefangen habe mit dem Phase One IQ180 zu arbeiten. Mein aktuelles Projekt, Dirt Meridian, begann 2005, als ich eine Farm in North Dakota besucht habe, auf der Rinder gebrandmarkt werden. Ich bin von der grenzenlosen Weite der Northern Great Plains überwältigt gewesen; um zu verstehen, wie man dieses Gefühl der Weitläufigkeit fotografisch festhält, habe ich 8 Jahre gebraucht. Die Geschichte dieser Gegend kann durch die Landschaft selbst besser erzählt werden, als wenn man sich auf die Lebensweise der Menschen dort fokussiert. Ein anderer wichtiger Faktor, der das Projekt vorangebracht hat, war das Kennenlernen von Doug Dean, einem sehr erfahrenem Buschpiloten aus dem westlichen Nebraska. Doug brachte sein Wissen über das Land und seine erstaunlichen Fähigkeiten als Pilot mit in das Projekt ein. Das Projekt ist zweifelsohne eine echte Gemeinschaftsproduktion gewesen; mit einem anderen Piloten hätte es diese Bilder so nicht gegeben.

Wie sah das Setup für die Aufnahme von Dirt Meridian aus?

Wir haben ein IQ180 Digitalback und einen Mamiya 645DF Body an einer Strebe am Flugzeug angebracht. So konnten wir eine ungehinderte Sicht sicherstellen (im Gegensatz zur traditionellen Fotografie aus Ultraleichtflugzeugen, wo man durch ein Fenster fotografiert). Wir haben fast ein Jahr herumgebastelt, bis wir das Equipment vollständig ans Laufen gebracht haben. Die Aufhängung kam von Servo City und die eigentliche Anbringung an die Strebe war eine Spezialanfertigung von CAPE Lab in Rapid City, South Dakota.
Wir haben außerdem eine kleine Fingervideokamera angebracht, damit wir die Perspektive der Kamera immer live vor Augen hatten. Das Flugzeug selbst war eine tolle Cessna 180 von 1973; mit den 36” Tundra Reifen konnten wir in den Plains einfach überall landen, wo wir wollten. Wir haben ein kleines Flugzeug statt eines Hubschraubers ausgesucht; zum einen aufgrund der Kosten, zum anderen, weil ein Flugzeug längere Entfernungen zurücklegen kann und ich so auch weit abgelegene Orte besuchen konnte.

Was das Kamerasystem betrifft, weshalb haben Sie sich letztendlich für diese Ausrüstung entschieden?

Ich habe das IQ180 gewählt, weil ich große Drucke anfertigen wollte (50”x60”) und es keine Möglichkeit gab, einzelne Dateien in der Nachbearbeitung zusammenzuschustern; die langsamste Geschwindigkeit des Flugzeugs betrug schließlich immer noch 70mph. Es war ein richtiges Kunststück, die Belichtung, Blende und ISO abzustimmen, da ich Sensor+ nicht nutzen wollte und die Verschlusszeit meistens über 1/800 halten musste.

Ich habe mit zwei erstklassigen Objektiven fotografiert, dem 80mm und dem 55mm. Das 80mm war gestochen scharf, selbst wenn es fast ganz geöffnet gewesen ist, und in den meisten Fällen das Objektiv meiner Wahl. Weitwinkel wie das 55mm sind in den Randbereichen bekanntermaßen schwierig zu fokussieren, also bin ich auf mindestens f/11 heruntergegangen, um die optimale Schärfe bis hin zum Bildrand zu gewährleisten. Darüber hinaus ist das Sichtfeld der Optik eine Herausforderung gewesen, da das Flugzeug gefährlich niedrig fliegen musste, um den richtigen Ausschnitt zu erzielen, den ich erreichen wollte; ich wollte das Bild ja später nicht zuschneiden, da das dem Zweck des IQ180 widersprochen hätte.

Das größte Problem war es jedoch, den richtigen Punkt der hyperfokalen Entfernung zu finden, da wir den Fokus mit Klebeband fixieren mussten.
Ich habe schnell gelernt, dass es alle möglichen Arten von „unendlich“ gibt. Mein erster Versuch aus dem Flugzeug brachte Bilder hervor, die zwar 10 Meilen weit weg scharf waren, aber Objekte, die 100 Yard weit weg waren, unscharf abbildete. 
 
Wie haben Sie die hohen Verschlussgeschwindigkeiten bei der Luftbildfotografie mit Notwendigkeit der Schärfentiefe ausbalanciert, ohne einen Detailverlust bei hoher ISO zu riskieren?

Obwohl ich mich ursprünglich dazu entschieden hatte, mit nicht mehr als 200 ISO zu fotografieren, wurde schließlich ersichtlich, dass die richtige Belichtung wichtiger als eine niedrige ISO war. Also nutze ich in gewissen Situationen letztendlich ISO 400 und habe mich um das Mehr an Rauschen später gekümmert.

Welche Rolle hat das Wetter gespielt? Bedrohliche Wetterverhältnisse sind für die Fotografie oft großartig, nicht aber für einen ruhigen, reibungslosen Flug, der für Sie wichtig gewesen ist.

Das Wetter war ein bedeutender Faktor. Wir mussten häufig durch Regen, Hagel und Unwetter fliegen. Die Windgeschwindigkeit betrug manchmal mehr als 50mph. Wir mussten sogar mal auf schlammigem Untergrund notlanden, der die Kamera und den Body komplett durchtränkt hat. Ich war verblüfft, dass das Back trotz all dieser Umstände niemals versagt hat. Es war wirklich sehr aufregend bei stürmischem Wetter aus der Luft zu fotografieren. Das Licht ist dramatisch gewesen und war entlang des Horizonts ganz unterschiedlich. Ich glaube, ich wollte erst die Aufnahme im Kasten haben und habe mir danach erst um das Equipment Sorgen gemacht.

Was kommt als nächstes? Werden Sie den Dirt Meridian auch weiterhin fotografieren?

Ich habe vor, im kommenden Jahr entlang des 100. Meridians zu fotografieren, aus der Luft und am Boden. Daraus soll im Sommer 2015 ein Buch entstehen. Es soll in Verbindung zu einer Ausstellung über das Projekt im Joslyn Museum in Omaha, Nebraska umgesetzt werden. Außerdem plane ich das Flugzeug dieses Jahr in den Süden zu bringen, auch wenn ich befürchte, dass wir nicht die gleichen Freiheiten wie in Nebraska und anderen Teilen der Northern Great Plains haben werden, wo wir einfach dorthin fliegen konnten, wo hin wollen.

Der Fotograf Andrew Moore

Kamera: Mamiya 645DF
Digitalback: IQ180
Mehr Bilder: Andrew Moore's gallery
Andrews bevorzugter Partner: Digital Transitions

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