Micha Pawlitzki
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Unter Grund

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Micha Pawlitzki ist bereits im Alter von 15 Jahren von der Fotografie fasziniert gewesen. Seine erste Arbeit wurde schon veröffentlicht, als er noch nicht ganz mit seiner Doktorarbeit im Bereich der Betriebswirtschaftslehre fertig war. Als er 2004 seinen Doktortitel erlangt hatte, machte er seine Leidenschaft zum Beruf und arbeitet seitdem von seinem Büro in der Nähe von München. Micha ist für seine Buchveröffentlichungen und Kalender, für großformatige Kunstdrucke, die an Unternehmen und private Sammler gehen, sowie für seine Fotografie-Workshops auf der ganzen Welt bekannt. Wenn er auf diese unterschiedlichen Projekte zu sprechen kommt, erzählt Micha, dass es sein Ziel ist, „sehr klare, intensive Bilder mit starken grafischen Elementen zu fotografieren. Ich möchte, dass die Bilder meine tiefgehende Faszination von Natur und Kultur wiederspiegeln. Darüber hinaus sollen sie mein Streben nach und meine Leidenschaft für technische Perfektion veranschaulichen“

Wie sah der gedankliche Prozess hinter diesem Projekt aus?

Während ich für ein anderes Projekt recherchiert habe, bin ich über ein paar Bilder von deutschen U-Bahn-Stationen gestolpert. Ich war sofort von der vielseitigen und einfallsreichen Architektur, die ich auf den Bildern sah, begeistert. U-Bahn-Stationen sind für mich, bis zu diesem Moment, bloß unangenehme und hektische Transitorte gewesen, um schnell von A nach B zu kommen. Nun kam mir spontan die Idee zu einem großformatigen Buch. Ich wollte die spannendsten, coolsten und innovativsten U-Bahn-Stationen des Landes zu dokumentieren. Es war mir wichtig, den Fokus komplett auf die Architektur zu richten und die Pendler aus den Bildern rauszuhalten. Ich habe sofort meinen Verleger angerufen, der von der Idee auch völlig fasziniert gewesen ist. Nach einem 15-minütigen Telefonat war das Buch beschlossene Sache. Was die Größe und Anzahl der Seiten sowie den zeitlichen Rahmen betraf, ließ mir mein Verleger von Anfang an freie Hand. Es war nur wichtig, dass die Bilder einzigartig, neu und spannend waren und dass alle deutschen Städte, die über ein U-Bahn-Netz verfügen, repräsentiert sein würden.

Wie lief die eigentliche Arbeit für dieses Buch ab?

An meinem Buch UNTER GRUND habe ich 18 Monate lang intensiv gearbeitet. Ich habe alle deutschen U-Bahn-Stationen besucht, immer auf der Suche nach den vielversprechendsten und fotografisch interessantesten Haltestellen. Die besten Aufnahmen sind bei Nacht entstanden. Dafür habe ich zwischen zehn Uhr abends und zwei Uhr nachts gearbeitet. Wenn ich vielbesuchte Haltestellen fotografiert habe, die nur wenige oder gar keine Stunden außer Betrieb waren, habe ich sogar manchmal bis fünf Uhr in der Früh gearbeitet. Es ist mir wichtig gewesen, alle Stationen völlig leer und ohne Menschen aufzunehmen. Wenn man diese Stationen am Tag besucht, nimmt man die Architektur aufgrund der Pendler, der ein- und ausfahrenden Züge, des Lärmpegels und der Hektik kaum wahr. Fotografiert man dieselben Haltestellen in der Nacht, ist der Eindruck, den die Architektur hinterlässt, weitaus stärker. Es ist mir immer wichtig, die bestmögliche Qualität zu erreichen. Das ist auch der Grund, weshalb ich alles mit meinem Phase One P45+ und verschiedenen Phase One Objektiven aufgenommen habe. Wegen der langen Belichtungszeiten habe ich bei allen Bildern ein Stativ verwendet.

Das 256 Seiten starke Buch mit aufwendigem Layout, das von der EDITION PANORMA wunderschön verlegt wurde, wird Anfang Oktober 2013 auf der Frankfurter Buchmesser präsentiert. Ich habe schon viele Bücher und Kalender bei renommierten Verlagshäusern veröffentlicht und auch schon viele Preise gewonnen, aber dieses Buch war wirklich etwas Besonderes. Alle, die am Buch mitarbeiteten – vom Verleger, über den Artdirector, Grafikdesigner, diejenigen, die sich um den Text kümmern, bis hin zum PR-Mitarbeiter – haben besonderen Einsatz und Engagement gezeigt. Wir haben viel diskutiert und unterschiedliche Meinungen über das Layout, die Bildreihenfolge usw. ausgetauscht, bis wir jeweils die perfekte Lösung gefunden haben. Besonders wichtig und gut an diesem Prozess war, dass unser Hauptaugenmerk auf der Qualität lag. Das mag auch der Grund für das große Medienecho sein, welches das Buch sogar schon vor dem eigentlichen Veröffentlichungsdatum erhalten hat. Zeitungen und Magazine wie Spiegel, ZEIT und WELT haben über uns geschrieben und sowohl online als auch in der gedruckten Ausgabe Abschnitte aus dem Buch gezeigt. Darüber hinaus freuen wir uns sehr auf die geplante Ausstellung mit großformatigen Drucken.

Welches Bild hat bei der Aufnahme die größten Schwierigkeiten bereitet und wie haben Sie es umgesetzt?

Während der 18 Monate ist es nicht nur ein bestimmtes Bild gewesen, dass schwer zu fotografieren war. Man hatte ja im Grunde an jeder Haltestelle ein wiederkehrendes Problem mit Pendlern, die auf den Zug warteten (selbst mitten in der Nacht). Das ist etwas gewesen, das ich auf jeden Fall aus meinen Fotos heraushalten wollte, damit man sich voll und ganz auf die Architektur konzentrieren kann. Daneben war es in manchen Städten schwierig, Genehmigungen zu bekommen. Zu guter Letzt lässt sich sagen, dass es manchmal eine ziemlich nervenraubende Angelegenheit war, zu später Stunde zu fotografieren. Nach ein paar wenigen unerfreulichen und gefährlichen Begegnungen am Anfang des Projekts bin ich dazu übergegangen, mit Bodyguards zu arbeiten, um auf der sicheren Seite zu sein. Schlussendlich hat aber alles gut geklappt und ich bin sehr froh, dass ich eineinhalb Jahre lang arbeiten konnte, ohne echte Probleme zu bekommen.

Wie Sie bereits erwähnten, sind U-Bahn-Haltestellen ja oft eher dreckige, unangenehme und überfüllte Orte. Wie haben Sie es geschafft, dass Ihre Bilder dagegen so farbenfroh, sauber, schön und verlassen wirken?

Na ja, zunächst hatte ich die gleichen Vorurteile wie die meisten Menschen: U-Bahn-Stationen sind dreckig, langweilig und gefährlich. Natürlich gibt es in jeder deutschen Stadt (und auf der ganzen Welt) hässliche und langweilige U-Bahn-Stationen. Es gibt allerdings auch immer mehr neu gebaute oder renovierte Stationen, die helle, luftig-leichte und großartig gestaltete architektonische Wunderwerke sind. Stationen, die mehr nach einer modernen Kunstgalerie oder einem Atrium aussehen. An Haltestellen wie der „Hafencity“ oder dem „Überseequartier“ in Hamburg verschlägt es einem fast die Sprache. Sowohl diese zwei Stationen als auch der „Marienplatz“ und der „Westfriedhof“ in München gehören zu den innovativsten und schönsten Stationen Deutschlands.

Die wartenden Fahrgäste aus meinen Bildern herauszuhalten, war letztendlich eine Frage der Überredungskunst. Ich habe einfach mit ihnen über mein Projekt gesprochen. Die meisten Menschen gingen ohne zu zögern zur Seite. So haben sie mir dabei geholfen, etwas so normales und alltägliches wie eine U-Bahn-Station, in einen neuen, ungewöhnlichen Kontext zu setzen. Für mich ist das bei der Fotografie von zentraler Bedeutung. Es ist eine „Schule des Sehens“. Ich möchte das Gewöhnliche, Alltägliche und oft Übersehene soweit abstrahieren, dass nichts von der Schönheit und Originalität ablenkt, damit sie sich entfalten und einen tiefen Eindruck hinterlassen kann.

Fotograf: Micha Pawlitzki
Kamera: Phase One 645DF+
Digitalback: P45+
Aufnahmen: Unter Grund

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"I am always very concerned about achieving the highest quality, so everything has been captured with my Phase One P45+ camera"
M. Pawlitzki
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